Die Geschichte des Blasorchesters ist eng mit den Militärkapellen und Stadtmusiken vergangener Jahrhunderte verknüpft. In vielen Kulturen spielten Blasinstrumente eine wichtige Rolle bei militärischen und zivilen Zeremonien. Militärkapellen, die sich aus Trommlern, Pfeifern und später auch aus Blechbläsern zusammensetzten, waren wesentliche Bestandteile von Armeen und dienten dazu, Truppen zu motivieren und zu koordinieren. Ihre Musik war kraftvoll, präzise und oft martialisch, passend zu den militärischen Anforderungen.
Stadtmusiken, die in vielen europäischen Städten florierten, hatten eine ähnliche Funktion. Sie begleiteten städtische Zeremonien, Feste und Prozessionen. Diese Ensembles bestanden oft aus einer Mischung von Holz- und Blechblasinstrumenten und wurden von Stadtmusikern gespielt, die eine wichtige gesellschaftliche Rolle innehatten. Diese frühen Blasensembles legten den Grundstein für die Entwicklung des modernen Blasorchesters.
Im 19. Jahrhundert begann sich das Blasorchester von seinen militärischen und zeremoniellen Wurzeln zu lösen und sich als eigenständige musikalische Formation zu etablieren. Die industrielle Revolution und die damit verbundene Verbesserung der Instrumentenbaukunst führten zu einer größeren Vielfalt und Qualität der Blasinstrumente. Instrumentenbauer wie Adolphe Sax, der Erfinder des Saxophons, trugen maßgeblich zu dieser Entwicklung bei.
In dieser Zeit wurden auch die ersten Blasorchesterkonzerte für das bürgerliche Publikum veranstaltet. Diese Konzerte bestanden nicht nur aus militärischen Märschen, sondern auch aus Transkriptionen beliebter Opern- und Symphoniemusik. Dies trug dazu bei, das Repertoire und die musikalischen Möglichkeiten der Blasorchester zu erweitern.
Mehrere Komponisten des 19. Jahrhunderts erkannten das Potenzial des Blasorchesters und begannen, spezifisch für diese Besetzung zu schreiben. Einer der wichtigsten Pioniere war Hector Berlioz, dessen „Grande symphonie funèbre et triomphale“ (1840) eines der frühesten und bedeutendsten Werke für Blasorchester darstellt. Berlioz nutzte die kraftvolle Klangpalette des Blasorchesters, um ein Werk zu schaffen, das sowohl feierlich als auch ergreifend ist.
Ein weiterer bedeutender Komponist dieser Zeit war Franz von Suppé, der neben seinen berühmten Operetten auch Märsche und Ouvertüren für Blasorchester schrieb. Diese Werke wurden schnell populär und trugen dazu bei, die Qualität und das Ansehen von Blasorchesterkompositionen zu steigern.
In den USA spielte John Philip Sousa eine herausragende Rolle bei der Popularisierung des Blasorchesters. Sousa, bekannt als der „Marschkönig“, komponierte eine Vielzahl von Märschen, von denen viele, wie der „Stars and Stripes Forever“, zu festen Bestandteilen des Blasorchesterrepertoires wurden. Sousa gründete auch seine eigene Blasorchesterformation, die weltweit auf Tournee ging und das Blasorchester als Konzertensemble populär machte.
Die Ursprünge des Blasorchesters sind somit tief in der militärischen und zivilen Musiktradition verwurzelt. Im 19. Jahrhundert begannen sich diese Ensembles jedoch zu wandeln und neue musikalische Wege zu beschreiten. Dank der Beiträge visionärer Komponisten und der technologischen Fortschritte im Instrumentenbau entwickelten sich Blasorchester zu vielfältigen und dynamischen Klangkörpern, die den Grundstein für das moderne symphonische Blasorchester legten.
